Kunststoff- durch Kork-Granulate ersetzen? Eine eher schlechte Idee der Grünen!

Bekanntlich haben die Grünen im Juni angeregt, die auf Kunstrasenplätzen verwendeten Kunststoff- durch Korkgranulate zu ersetzen. Diese Idee zählt u.E. zu den eher schlechten:

Kork-Stäube können die auch als „Korkarbeiter-Krankheit“ oder -„Lunge“ bekannt „Suberose“ auslösen (ICD-Code: J67.3), die durch eine direkte allergische Reaktion auf einen die Korkstaub-Partikel besiedelnden Schimmelpilz verursacht wird (Penicillium frequentans – Synonym: Penicillium glabrum). Während die Suberose als prinzipiell gutartig gilt, dürfte die Tatsache, dass dieser Schimmelpilz daneben auch noch das Leber- und Nieren-schädigende Toxin Citromycetin (sowie weitere Gifte) produziert, höchst bedenklich sein, da solche Wirkungen insbesondere bei bereits bestehenden Vorerkrankungen womöglich nicht reversibel sind.

Wird Kork in Gestalt von Platten als Dämmmaterial oder Bodenbelag verarbeitet, sind die Oberflächen mit Kunstharzen versiegelt, so dass ein Befall mit Penicillium frequentans quasi nicht möglich ist. Wird Kork-Granulat hingegen im Freien auf Kunstrasenplätzen verwendet, dürfte eine Besiedelung aufgrund der resultierenden großen Oberfläche der „Körner“ fast nicht auszuschließen sein, zumal durch die mechanische Belastung (durch die Sportler) und Witterungseinflüsse (die die Wachstumsbedingungen für Schimmelpilze nochmals drastisch verbessern {Regenwasser!}) eine etwaige Versiegelung keine große Haltbarkeit aufweisen wird (sofern Kork-Granulat überhaupt mit einer solchen versehen werden kann). Dieser Komplex wurde bis dato leider noch nicht ausreichend beforscht.

Als weiteres Problem könnte sich die Verfügbarkeit von Kork erweisen, da die entsprechende „Produktion“ aufgrund der langen Vorlaufzeiten (Korkeichen können erst nach 12 – 15 Jahren erstmals abgeerntet werden) nicht beliebig ausgeweitet bzw. an einen kurzfristig steigenden Bedarf angepasst werden kann.

Allerdings sinkt die Nachfrage nach Kork weltweit aktuell, weil die traditionellen „Korken“ bspw. für Weinflaschen etc. zunehmend durch funktional überlegene Schraubverschlüsse abgelöst werden. Ein Erhalt der ökologisch sehr wertvollen Korkeichen-Plantagen könnte durch Ausweitung der Nachfrage nach Granulat für Sportstätten gesichert werden – zumindest dieser Gesichtspunkt würde also für den Einsatz von Kork sprechen, allerdings unter Inkaufnahme möglicherweise sehr hoher, auf jeden Fall aber unabsehbarer Kostensteigerungen. Für die Bewahrung dieser kostbaren Ökosysteme dürften auch eher die jeweiligen Staaten zuständig sein, in denen sie sich befinden – und weniger die Voerder Bürger.

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat erst im Mai 2017 in einem einschlägigen wissenschaftlichen Bericht festgestellt, dass von den bislang verwendeten Gummigranulaten auf Kunstrasenplätzen kein gesundheitliches Risiko für Sportler und Publikum ausgeht.

Da also Indizien für eine mögliche gesundheitliche Gefährdung der Sportler existieren, muss bei Anwendung des gerade bei den Grünen sehr beliebten „Vorsorgeprinzips“ das Ansinnen, Kunststoff- durch Korkgranulate zu ersetzen, zurückgewiesen werden. Die Annahme, dass „natürliche“ Materialien „künstlichen“ generell überlegen sind, ist ebenso naiv wie grundfalsch: einige der wirkstärksten krebserregenden Substanzen sind natürlichen Ursprungs – bspw. die ebenfalls zu den Pilzgiften zählenden Aflatoxine.


Quellen:

Eine Evaluation der wissenschaftlichen Studien, die in  Europa  und  den  USA  zwischen  2004  und  2015  durchgeführt  wurden,  lässt  den  Schluss  zu,  dass  Kunstrasen  mit  Gummigranulat  aus Altreifen  kein spezielles Risiko  für  die Gesundheit  von  Sportlern und Publikum darstellen.

https://www.bag.admin.ch/dam/bag/de/dokumente/chem/themen-a-z/factsheet-kunstrasen.pdf.download.pdf/Mai-2017-Faktenblatt-Kunstrasen.pdf

Die erste Ernte erfolgt nach etwa 12 bis 15 Jahren bei einem Stammdurchmesser von 20 bis 30 Zentimetern (BHD). Die erste Korkschicht wird „männlicher Kork“ genannt, ist noch wenig elastisch und rissig und wird nur für Isoliermatten verwendet. Erst die folgenden Korkernten liefern einen qualitativ höherwertigen Kork, den „weiblichen Kork“, der im vollen Umfang kommerziell genutzt werden kann. Den qualitativ besten Kork erhält man bei der zweiten, dritten und vierten Ernte. Korkernten erfolgen alle neun bis zwölf Jahre, wenn eine Schichtstärke von 2,7 bis 4 Zentimetern erreicht ist. Unter günstigen (warmen) Bedingungen kann die Ernte alle acht Jahre erfolgen, in Nordafrika alle sieben Jahre. Insgesamt kann eine Korkeiche fünf- bis zehnmal abgeerntet werden. Um die Verletzung der Stammoberfläche kleinzuhalten, kann auch alle drei Jahre geerntet werden, wobei nur ein Drittel der nutzbaren Oberfläche abgelöst wird. Eine wichtige Pflegemaßnahme ist die Astung, die etwa mit einem Alter von zehn Jahren beginnt und eine Höhe bis drei Meter erfasst. Eine Eiche liefert über ihre Lebensspanne etwa 100 bis 200 Kilogramm Kork, ein Hektar etwa 200 bis 500 Kilogramm pro Jahr.

https://de.wikipedia.org/wiki/Korkeiche

Kork ist nur sehr begrenzt verfügbar. Ein großflächiger Einsatz ist deshalb ökologisch bedenklich. Daher sollten diese Dämmmaterialien nur gezielt eingesetzt werden und im Regelfall heimische natürliche Dämmstoffe den Vorzug erhalten.

https://wissenwiki.de/Kork

Allergisierende Stäube (sogenannter schimmelpilzhaltiger Staub); dieser kann zu Erkrankungen führen, die oftmals unter dem Sammelbegriff „extrinsische allergische Alveolitis“ führt (Thomas 1996):
[…]
Korkstaub (Korkstaublunge)

https://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/innere-medizin/pneumokoniosen-106527

ICD-10: J67.3
Suberose
Korkarbeiter-Krankheit oder -Lunge
Korkrindenschäler-Krankheit oder -Lunge

https://www.dimdi.de/static/de/klassifikationen/icd/icd-10-gm/kode-suche/htmlgm2019/block-j60-j70.htm

Form der exo­gen-al­lergischen Alveoli­tis durch Sensibilisierung gegen Penicilli­um frequen­t­ans in Korkei­chen­rin­de. Die gut­ar­tige Staub­lungenerkrankung tritt auf bei Ar­beitern in der Kor­k­in­dus­trie, v. a. in Portu­gal. Zu den Symptomen zählen Dys­p­noe und Schüt­tel­frost. Betroffene soll­ten die In­ha­lati­on ver­meiden, bei­spiels­weise durch per­sön­liche Schutz­maß­nahmen oder tech­nische Lö­sun­gen.

https://www.pschyrembel.de/Suberose/K0LTB

The widespread occurrence of spores of Penicillium frequentans in the air of a Portuguese cork factory was associated with the presence of precipilins against it in 3%, of exposed workers and a high incidence of radiological and functional changes in their lungs. Patients with suberosis gave positive reactions in skin tests with extracts of the fungus, and their inhalation as aerosols provoked characteristic symptoms. Cork particles were less numerous in the air and larger than P. frequenyansn spores, hut numbers were correlated with the incidence of precipilins in workers and it is suggested that they may have a role in sensitization and the pathology of the disease. However, P. frequentans seems to be the source of antigens in suherosis and accounts for the antigenicity of mouldy cork.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1365-2222.1974.tb01368.x

Auch eine allergische Lungenerkrankung (Hypersensitive Pneumonitis oder Suberosis) von Arbeitern der industriellen Korkverarbeitung geht auf Penicillium glabrum zurück. Hierbei treten asthmatische Beschwerden auf, welche sich über die Bestimmung spezifischer Antikörper im Blut klar als berufsbedingte Erkrankung durch Penicillium glabrum diagnostizieren ließen. Neben der hohen allergenen Potenz von Penicillium glabrum ist auch die Produktion toxischer Substanzen wie Citromycetin kritisch zu sehen. Penicillium glabrum ist auch unter dem Synonym Penicillium frequentans bekannt.

http://www.schimmel-schimmelpilze.de/penicillium-glabrum.html

Nierenschädigende Wirkung von Citromycetin:

https://books.google.de/books?id=lIsrAAAAYAAJ&pg=PA399&lpg=PA399&dq=Citromycetin+toxic&source=bl&ots=rGXvOUxR4n&sig=ACfU3U1zOKwKvNrzDQm1-jh_c57wsVWSxg&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjC1ZD6wqfjAhUDblAKHfGKDosQ6AEwCnoECAYQAQ#v=onepage&q=Citromycetin%20toxic&f=false

Several isolates of P. frequentans and P. cyclopium obtained from corn kernels produced toxicity in mice when fed as corn cultures at a concentration of 50% of the diet. Autoclaved corn was inoculated with spores of each isolate and incubated at 23°C for 2 wk. The cultures were treated with chloroform to destroy the spores, dried at 105°F for 5 days, then ground for mixing with purified diet. Ten mice were fed each diet, and mice fed only the purified diet and groups fed 50% concentration of ground, uninoculated popcorn served as controls. Body weight gains were reduced, some deaths occurred, and microscopic lesions were induced either in the liver or kidney or both. The characteristic changes in P. frequentans-fed mice was the focal or generalized ballooning degeneration of hepatocytes. The cells appeared to fill with water and the cytoplasmic changes were accompanied by nuclear pycnosis. In mice fed the P. cyclopium diets, lesions were found in the liver and kidneys and consisted of cellular enlargement with nuclear hypertrophy. No specific information is available on the toxic metabolite(s) that may be responsible for these alterations.

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/0041008X71902572

Aflatoxin B1 ist damit eine der stärksten krebserzeugenden Verbindungen überhaupt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Aflatoxine

Ruhrbarone: „Das drohende Kunstrasendesaster: Seid ihr denn alle irre geworden?“

https://www.ruhrbarone.de/das-drohende-kunstrasendesaster-seid-ihr-denn-alle-irre-geworden/171287