Krematorium: auf höhere Gewerbesteuer-Einnahmen kann Voerde locker verzichten – oder?

Werden die beiden unten zitierten bzw. verlinkten Artikel in chronologischer Reihenfolge gelesen, lassen sich folgende Schlüsse ziehen:

  • Der für die Ansiedelung potenter Gewerbesteuerzahler erforderliche Aufwand kann von der Voerder Verwaltung leider nicht geleistet werden, während kleinere Kommunen wie Rees (knapp 22.000 Einwohner) oder Uedem (knapp 9.000 Einwohner) mit einer solchen Aufgabe nicht hoffnungslos überfordert sind.
  • Im Gegensatz zu den beiden Nachbarkommunen schwimmt Voerde augenscheinlich im Geld, denn anders lässt sich der leichtfertige Verzicht auf zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen nicht erklären. Das ist allerdings nicht primär ein Problem der Verwaltung oder gar der Lokalpolitik, denn im Bedarfsfall werden einfach munter die Steuern für die Bevölkerung erhöht = Problem „gelöst“.
  • Die Nachfrage nach Feuerbestattungen scheint in der Region wahrhaft erstaunlichen Schwankungen zu unterliegen.

Selbst übelwollenden Kabarettisten würde es nicht leichtfallen, sich so eine Geschichte auszudenken.


Krematorium an der Grenzstraße ist endgültig vom Tisch(WAZ vom 24.11.2017)

Neben dem ursprünglichen Investor, der schon eingewilligt hatte, das Projekt bei einer Bürgerbeteiligung vorzustellen, hatten sich weitere Interessenten beworben, an der Grenzstraße ein Krematorium einzurichten. „Wir hätten daher ein aufwendiges Konzessionsvergabeverfahren durchführen müssen“, sagte Haarmann. Da von Seiten der Verwaltung allerdings kein Bedarf für ein Krematorium auf dem Stadtgebiet ersichtlich war, sprach sich die Verwaltung gegen eine solche Ansiedlung aus.

Uedem prüft Bau eines Krematoriums(Rheinische Post vom 10.01.2018)

In Xanten scheiterte sein Anliegen, jetzt versucht ein Investor, in Uedem eine Anlage genehmigt zu bekommen, in der Feuerbestattungen vorgenommen werden. Kirchen, Politik und Verwaltung zeigen sich aufgeschlossen. Dass die Nachfrage groß ist, wissen nicht nur Bestatter, sondern auch die Friedhofsämter und alle Trauernden, die sich einmal mit der Thematik auseinandersetzen mussten: Immer mehr Verstorbene werden eingeäschert und in einer Urne anstatt in einem Erdgrab beigesetzt. Noch gibt es in der Region aber kein Krematorium: Bis in den Raum Koblenz oder in die Niederlande werden Verstorbene gebracht, die eingeäschert werden sollen. Nun gibt es konkrete Pläne, im Kreis Kleve ein oder auch zwei Krematorien zu errichten. In Rees sind laut Verwaltung die planungsrechtlichen Voraussetzungen bereits geschaffen, der Investor kann kurzfristig seinen Bauantrag einreichen.