Zeelink-Pipeline: die Sicherheit der Anrainer hat Vorrang

Die Meinung der Stadtverwaltung zum Projekt „Zeelink-Pipeline“ bzw. zum geplanten Trassenverlauf teilen wir: die Gefährdung Voerder Einwohner kann nicht hingenommen werden. Das Risiko einer Havarie der Pipeline mag zwar gering sein, jedoch ist es nicht vernachlässigbar, wie die Geschichte der Unfälle bspw. in den Jahren 2004 und 2007 zeigt.

Die durch die Verlegung der Trasse (weg von den betroffenen Wohn- und Gewerbegebieten) höchstwahrscheinlich zusätzlich entstehenden Kosten (bspw. durch die Renaturierung schützenswerter Flächen nach Abschluß der Baumaßnahmen) sind selbstverständlich vom künftigen Betreiber zu tragen.

Die Sicherung der Erdgasversorgung ist zwar im Interesse der Allgemeinheit, sie darf aber nicht mit einer Gefährung unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger „erkauft“ werden.

Mit Hilfe der Zeelink-Pipeline wird der künftige Markteintritt neuer Erdgas-Lieferanten aus Katar oder den USA realisiert; die für die Wahrung ihre legitimen Geschäftsinteressen notwendigen, nun voraussichtlich etwas größeren Investitionen sollen diese Anbieter allerdings selbst tragen und nicht auf die Anrainer der Pipeline abwälzen. Insofern sind die Betreiber der Fernleitung in der Pflicht, die notwendigen Mittel bei ihren Geschäftspartnern zu beschaffen.


NRZ: Stadt Voerde lehnt Trassenverlauf für Erdgaspipeline ab

RP: Warum Hünxer gegen Zeelink-Trasse sind

Darin beziehen sich die bislang etwa 40 Mitglieder der Initiative unter anderem auf ein Gutachten der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. Wenn es zu einem Leck und zur Explosion der unter 100 bar Druck stehenden Leitung komme, so der Forschungsbericht, bestünden in einer Entfernung von mindestens 250 Metern nicht die geringsten Überlebenschancen. Innerhalb dieses Bereiches, so die Initiative, lebten in den Hünxer Ortsteilen Drevenack und Bucholtwelmen, wo die Pipeline nahe an den Wohngebieten vorbeigeführt werden soll, jedoch viele Hundert Menschen. Selbst in 400 Meter Entfernung würde der Feuerball noch Kunststoff zum Schmelzen bringen. Das Risiko einer Havarie könne auch vom Betreiber, der Open Grid Europe, nicht ausgeschlossen werden. Jede zweite der statistisch erfassten Leckagen an Gaspipelines in Europa sei durch äußere Einwirkung wie etwa Bauarbeiten entstanden. Das sei auch die Ursache der Katastrophe von 2004 im belgischen Ghislenghien gewesen: Damals seien 24 Menschen gestorben und 150 teils schwer verletzt worden, als – weit außerhalb der Ortschaft – in einem Gewerbegebiet eine der Zeelink-Leitung vergleichbare Pipeline explodiert sei. Auch in Hessen habe es 2007 bereits einen ähnlichen Unfall an einer viel kleineren Leitung gegeben, der dennoch zahlreiche Verletzte gefordert habe. Der 900-Einwohner-Ort Weinbach-Gräveneck sei dabei nur knapp einer Katastrophe entgangen.

Welt: Menschen in NRW fürchten sich vor einer Pipeline

Die in Belgien bereits verlegte Fernleitung soll dafür sorgen, dass neue H-Gas-Aufkommen aus allen Himmelsrichtungen angebunden werden können. Denn im belgischen Hafen Zeebrügge gibt es einen großen Terminal für Flüssiggas, (Liquefied Natural Gas, kurz LNG), das leicht mit Tankschiffen transportiert werden kann. Somit könnte die Leitung später auch mit Flüssiggas aus Übersee versorgt werden, das zuvor wieder in den gasförmigen Zustand gebracht werden müsste.

Welt: Wo kriegt NRW in Zukunft sein Gas her?

Mit dem zweiten großen NRW-Gasnetzbetreiber Open Grid Europe in Essen wollen die Dortmunder schon bald Gespräche über die Anbindung an das „Russengas“ aufnehmen. Allerdings gibt derzeit auch politische Vorbehalte, noch stärker auf Gas aus russischen Quellen zu setzen. Jedoch ist Katar, einer der möglichen Großlieferanten von LNG-Gas, auch keine Demokratie und im Westen vor allem wegen seiner Menschenrechtspolitik in der Kritik. Es kommen aber auch nordafrikanische Staaten und künftig auch die USA als Lieferanten von LNG-Gas infrage.