Betuwe – was anderswo dank engagierter Regionalregierungen möglich ist

Hier in aller Kürze und ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Objektivität die während der Informationsveranstaltung am Donnerstag (02.03.2017, ab 19:00 Uhr in der Aula des Gymnasiums) von uns gesammelten Eindrücke:

  1. Sowohl in den Niederlanden als auch in Baden-Württemberg („Rheintalbahn“) konnten weitreichende Zugeständnisse erkämpft werden:
    • die Bahntrasse wird größtenteils entlang der bereits vorhandenen Autobahnen verlaufen; damit werden Belastungen durch Lärm und Probleme durch erforderliche Querungen weitgehend vermieden
    • in Baden-Württemberg wird zur Entlastung der Anwohner ein Tunnel für 1.2 Mrd. (!) Euro gebaut
    • auf den sog. „Schienenbonus“ beim Lärmschutz wird endgültig verzichtet (mit anderen Worten: es wird eine wesentlich geringere Lärmbelastung als hinnehmbar eingestuft)
    • Für die Planung der Rheintalbahn wurde ein bundesweit renommierter Lärmschutz-Experte als Gutachter bzw. „neutrale Instanz“ berufen
    • Diese enormen Erfolge konnten errungen werden, weil sich das dortige Äquivalent zur Bezirksregierungsebene und die Landesregierung frühzeitig eingeschaltet und kontinuierlich massiven politischen Druck auf die Deutsche Bahn und den Bund ausgeübt haben. Mit anderen Worten: die deutliche Schlechterstellung unserer Region (verglichen mit der Situation in Baden-Württemberg) dürfte im Wesentlichen der Untätigkeit bzw. dem mangelnden Engagement der grün geführten Bezirksregierung und der rot-grünen Landesregierung zu „verdanken“ sein.
    • Insofern wirkte das abschließende gegenseitige Schulterklopfen der versammelten Polit-Prominenz angesichts ihrer bestenfalls bescheidenen Ergebnisse höchst irritierend. Das Beispiel der Rheintalbahn zeigt, wie Politik zum Vorteil der Bevölkerung aussehen kann – nur eben leider nicht bei uns.
  2. Der mit der Planung der Sicherheitsmaßnahmen auf niederländischer Seite betraute leitende Feuerwehr-Beamte brachte seine Verwunderung über die zögerliche bzw. umstrittene Umsetzung essentieller Präventivmaßnahmen auf deutscher Seite zum Ausdruck (in den Niederlanden wurde zuerst über die Gesundheit und den Schutz der Bevölkerung diskutiert – und erst danach über die wirtschaftlichen Fragen; so viel zum richtigen Setzen von Prioritäten). Teilweise wird in unserer Region noch um Details gestritten, die in den Niederlanden längst Konsens bzw. umgesetzter Standard sind – u.a. (aus Sicht und mit dem Verständnis von Laien wiedergegeben):
    • Installation von 3 Hydranten alle 200 Meter entlang der Strecke, die eine Entnahme von mindestens 6000 Liter Wasser / Minute ermöglichen. Diese Kapazität ist erforderlich, um bspw. im Brandfall Kesselwagen kühlen und so katastrophale Explosionen verhindern zu können (wo keine Hydranten installiert werden konnten, wurden Wassergräben vergleichbarer „Leistungsfähigkeit“ angelegt)
    • Zugangstüren alle 100 Meter entlang der Strecke – jeweils mit technischen Vorrichtungen zur Erdung der Oberleitungen versehen
    • Ausstattung der Feuerwehren mit technischen Mitteln für die Abwehr der von der Stromversorgung der Trasse ausgehenden Gefahren
    • Alle in der Nähe der Trasse verlaufenden Wege – inkl. Geh- und Radwege! – sind nun für eine Belastung von mindestens 15 Tonnen ausgelegt, damit sie von den Feuerwehren benutzt werden können
    • Ausstattung von Fahrzeugen und Stützpunkten (Zugänge!) entlang der Trasse mit detaillierten und mit Positionsangaben versehenen Einsatzkarten
    • Versorgung der Bevölkerung im Einzugsbereich mit hilfreichem Informationsmaterial zum Verhalten im Katastrophenfall (Brand, Explosion, Freisetzung von Giftstoffen)
    • Einrichtung eines Smartphone-basierten Push-Nachrichtendienstes, um im Alarmfall große Teile der Bevölkerung zeitnah informieren zu können.
  3. Entlang der Trasse sollen 4 sog. HFS-Fahrzeuge stationiert werden – und zwar bei den Berufsfeuerwehren in Oberhausen, Dinslaken, Wesel und Emmerich.
  4. Enttäuschend war der vom Voerder Beigeordneten gehaltene Teilvortrag: keine Abbildungen (sinngemäß, so weit erinnerlich: „ich könnte Ihnen Bilder zeigen, mache es aber nicht“), vage Gemeinplätze und das komplette Fehlen konkreter Aussagen – für die spätere Ausgestaltung des Lärmschutzes auf Voerder Territorium lässt das eher nichts Gutes erwarten, aber vielleicht ist diese Befürchtung ja zu pessimistisch. Wie man es richtig bzw. besser macht, demonstrierte unmittelbar darauf der Vertreter der Oberhausener Bürgerinitiative, der mittels Fotomontagen die verschiedenen Ausprägungen möglicher Lärmschutzmaßnahmen sehr plastisch und anschaulich darstellte.