Umbau der Dinslakener Straße: wenn Grüne nicht zu Ende lesen und sinnentstellend zitieren

Die Grünen werden ganz nervös und hektisch, wenn ihre Ideologie der bevormundenden Verkehrsbehinderung infrage gestellt wird. Unser gestriger Beitrag, der hauptsächlich die finanzielle Belastung der Anwohner (und der Stadt) durch den geplanten, aus unserer Sicht absolut widersinnigen Umbau der Dinslakener Straße thematisiert, hat wohl einen ökopopulistischen Nerv getroffen und daher prompt zu einer hysterischen Reaktion geführt. Da kann es im heiligen Furor durchaus schon einmal vorkommen, dass Begründungen nicht komplett gelesen und verstanden werden.

Kleine Kostprobe gefällig? Selektiv wurde von den Grünen folgende Passage aus unserem Text zitiert:

“Das Konzept sieht daneben auch einen massiven Ausbau der schon jetzt sehr großzügig bemessenen Rad- und Gehwege vor. Es ist aber – bspw. kurz nach Schulschluß – häufig zu beobachten, dass Gruppen von Radfahrern Rad- und Gehweg nebeneinander benutzen. Wäre es im Sinne des eingangs skizzieren „Kollektivstrafprinzips“ dann nicht „logisch“, Rad- und Gehwege so rückzubauen, dass bestimmte Radfahrer nicht mehr zu derartigem Frevel „verleitet“ werden?”

Daraus wird von den Voerder Grünen folgende – sagen wir einmal: „verwegene“ These abgeleitet und uns untergeschoben:

Die wahre Gefahr sind nicht die Raser. Es sind Radfahrer, die nebeneinander fahren.

Klar, oder? Wir fiesen Liberalen denken rund um die Uhr unablässig darüber nach, wie wir unserem natürlichen Feind – dem gemeinen Radfahrer nämlich – das Leben so schwer wie möglich machen können. Einfach so, aus lauter Bosheit bzw. Niedertracht. Da wir den ganzen Tag nur mit unseren Maybachs, Ferraris und Porsches durch die Gegend rasen und nie im Leben selbst ein Fahrrad benutzt haben, kommen wir quasi zwangsläufig auf solche blödsinnigen Ideen (Liberale können nämlich gar nicht Fahrrad fahren – dazu fehlen uns die überragenden Talente bspw. der Grünen und offenbar auch ein paar der dafür notwendigen Gene).

OK – verlassen wir nun das grüne Ökomärchenwunderland und kehren wir in die Realität zurück, in der es ein klitzekleines Problemchen gibt – vollständig lautet unsere einschlägige Passage nämlich wie folgt (die von den Grünen sicherlich nur „versehentlich“ unterschlagenen… pardon: überlesenen Sätze sind fett grün markiert):

Das Konzept sieht daneben auch einen massiven Ausbau der schon jetzt sehr großzügig bemessenen Rad- und Gehwege vor. Es ist aber – bspw. kurz nach Schulschluß – häufig zu beobachten, dass Gruppen von Radfahrern Rad- und Gehweg nebeneinander benutzen. Wäre es im Sinne des eingangs skizzieren „Kollektivstrafprinzips“ dann nicht „logisch“, Rad- und Gehwege so rückzubauen, dass bestimmte Radfahrer nicht mehr zu derartigem Frevel „verleitet“ werden? Natürlich nicht – die ganze Absurdität der Pseudolegitimation für das Bauprojekt zeigt sich, wenn die grundlegenden Annahmen ernstgenommen werden.

Tja – so komplett zitiert – also inklusive des „Natürlich nicht […]“ –  liest sich das schon irgendwie ganz anders, oder? Wer daraus die Botschaft „Radfahrer sind eine Gefahr“ liest, hat entweder ein Problem mit der Logik, der Bewältigung von mittellangen Texten oder dem Prinzip der Aufrichtigkeit.

Wahrscheinlich ist es ein Problem mit der Logik, wird doch im „Beitrag“ der Grünen ernsthaft bestritten, dass auf einer verengten Fahrbahn weniger Platz zum Ausweichen bleibt, falls eine Person (Fußgänger oder Radfahrer) bspw. aus Unachtsamkeit (Unfallursache Nr.1!) plötzlich auf die Fahrbahn vor ein herannahendes Fahrzeug gerät. So eine Situation ist im grünen Paralleluniversum im wahrsten Sinne des Wortes undenkbar, daher wird sie flugs wegdefiniert bzw. -geschwafelt.

Merke: zulässige Unfallursachen gemäß grüner Diktion sind ausschließlich Abbiegefehler, mangelnder Abstand und zu hohe Geschwindigkeit – andere Auslöser wie Unachtsamkeit sind Erfindungen liberaler Lügenpropaganda. Wie gut, dass wir die Grünen haben, denen wir (sinngemäß) folgende wahrhaft bahnbrechende Erkenntnis verdanken:

Je schmaler eine Fahrbahn, desto mehr Platz zum Ausweichen bietet sie.

Darauf muss man erst einmal kommen. Hut ab! Da wird wacker gegen Naturgesetze und die Geometrie gekämpft…


Aber wo wir gerade schon kurz beim Thema „Aufrichtigkeit“ waren: im grünen (und dem darin referenzierten) Artikel finden sich auch noch folgende Behauptungen:

Die völlig verstummte FDP Voerde hat ihre Sprache wiedergefunden. […] Das entspricht aber wohl auch der Linie der FDP, denn wenn man sich die Website der Liberalen anschaut, insbesondere den Teil der Voerde direkt betrifft, ist dort seit 2014 Ebbe.

Schön doof, dass das Internet offenkundig noch weitgehend unbekanntes Neuland für den Verfasser ist – anderenfalls wäre ihm womöglich aufgefallen, dass der letzte Beitrag (von Bernhard Benninghoff) vom 02.05.2016 stammt. Wer weiß, vielleicht wurde ja auch absichtlich (sozusagen in „postfaktischer ™“ Manier) unzutreffendes behauptet? Oder gibt es heutzutage wirklich noch ein solch episches Maß an Internet-Inkompetenz?

Übrigens: für das Schweigen nach dem 02.05.2016 gibt es einen traurigen Grund, der – wie wir während der Trauerfeier dankbar registrieren durften – einer großen Zahl Voerder Bürger bekannt bzw. bewusst ist. Die daraus für die Mitglieder der Voerder FDP entstandenen Probleme können allerdings nur jene Menschen nachvollziehen, für die „Pietät“ kein total unverständlicher Begriff ist. Dem grünen Autor sei also verziehen, denn er hat bestimmt im Rahmen seiner limitierten Möglichkeiten sein Bestes gegeben.

Ob es hingegen wirklich vorteilhafter ist, eine Flut von belanglosem und dazu noch sachlich falschem Blabla zu produzieren, kann jeder Leser selbst beurteilen – ganz gewiss auch ohne besserwisserische Bevormundung.