Umbau der Dinslakener Straße: teuer und widersinnig

Die Stadt Voerde bzw. die Mehrheit der Ratsmitglieder stimmen der vom Kreis Wesel vorgelegten Entwurfsplanung für die Dinslakener Straße zu, die u.a. eine Reduktion der Fahrbahnbreite und einen Ausbau der Rad- und Gehwege vorsieht. Der FDP-Ortsverband hingegen lehnt dieses Vorhaben ab.

Begründung

In der Drucksache 16/0525 wird behauptet, dass „die sehr breite Fahrbahn […] zu erhöhten Geschwindigkeiten verleite“. Abgesehen davon, dass eine solche Behauptung prinzipiell belegt werden sollte (gibt es bspw. systematische Messungen oder Ergebnisse regelmäßig durchgeführter Kontrollen, die diese Annahme stützen?), offenbart sich hier ein u.E. falsches und von Arroganz geprägtes Bürgerbild, welches etwa wie folgt zusammengefasst werden kann: „Die Benutzer des Dinslakener Straße sind zu beschränkt, um sich über eine Spanne von mehr als 5 Sekunden hinweg an die Tatsache zu erinnern, dass sie sich in einer geschlossenen Ortschaft mit entsprechender Geschwindigkeitsbegrenzung befinden“.

Konsequenz daraus soll eine für die Stadt und die betroffenen Anlieger (die an den Baukosten beteiligt werden sollen!) extrem teure Kollektivstrafmaßnahme in Gestalt eines widersinnigen Bauprojekts sein, während es doch viel naheliegender und gerechter wäre, lediglich diejenigen zu belangen, die tatsächlich zu schnell fahren – sofern systematische Messungen bzw. Kontrollen zweifelsfrei belegen, dass hier ein konkretes und nicht nur ein hypothetisches (gar erfundenes?) Problem besteht. Bekanntlich gibt es zahlreiche Möglichkeiten, „schwarze Schafe“ zu ermitteln und ggf. zur Rechenschaft zu ziehen – und zwar gerade auch abseits bzw. außerhalb der hirnrissigen, von der rot-grünen Landesregierung inszenierten sog. „Blitzermarathons“.

Aus der Verengung der Fahrbahn wird zudem eine Störung des Verkehrsflusses resultieren – die sich als zwangsläufige Folge einstellenden Stauungen, Brems- und Beschleunigungsmanöver führen zu erhöhten Treibstoffverbräuchen und einer Zunahme der Lärm-, Abgas- und Feinstaubbelastung. Mit anderen Worten: die Anwohner finanzieren zwangsweise eine Reduktion ihrer Lebensqualität bzw. eine Zunahme ihrer gesundheitlichen Belastung. Hier wird der ökonomische und ökologische Widersinn zum Prinzip erhoben – gerade auch von Parteien, die vorgeben, sich besonders für diese Themen zu engagieren.

Weiterhin ist zu bedenken, dass eine künstlich verengte Fahrbahn weniger Raum für notfallmäßige Ausweichmanöver bietet, die bspw. zur Vermeidung von Unfällen erforderlich werden können – das Unfallrisiko steigt also, die Straße wird nicht sicherer, sondern gefährlicher.

Das Konzept sieht daneben auch einen massiven Ausbau der schon jetzt sehr großzügig bemessenen Rad- und Gehwege vor. Es ist aber – bspw. kurz nach Schulschluß – häufig zu beobachten, dass Gruppen von Radfahrern Rad- und Gehweg nebeneinander benutzen. Wäre es im Sinne des eingangs skizzieren „Kollektivstrafprinzips“ dann nicht „logisch“, Rad- und Gehwege so rückzubauen, dass bestimmte Radfahrer nicht mehr zu derartigem Frevel „verleitet“ werden? Natürlich nicht – die ganze Absurdität der Pseudolegitimation für das Bauprojekt zeigt sich, wenn die grundlegenden Annahmen ernstgenommen werden.

Weder den Anwohnern noch der Stadt sollte es zugemutet werden, für diesen Quatsch Geld zu verbrennen. Stattdessen sollte die Fahrbahn endlich ausgebessert und Verstösse gegenn die Straßenverkehrsordnung konsequent geahndet werden (übrigens: auch auf verengten Fahrbahnen kann und wird zu schnell gefahren werden!) – diese Strategie hat sich bspw. bei der Bekämpfung der sog. Raserszene auf der alten B8 im benachbarten Duisburg bewährt. Wir können allen betroffenen Anwohnern nur dringend raten, sich gegen die Planungen auszusprechen und sich zusätzlich an die Mitglieder des Stadtrates zu wenden, die sich bislang für das Projekt aussprechen.


Nachtrag vom 01.12.2016

Zur Lösung des in der Drucksache beschworenen „Raser-Problems“ könnte ein – auch mietbares – vollautomatisches mobiles System wie jenes benutzt werden, dass bereits in der Stadt Bonn erfolgreich eingesetzt wird (Link zum Artikel des „Generalanzeigers“ folgt unten). Ein solches Gerät könnte schwerpunktmäßig und wiederkehrend für längere Zeit dort eingesetzt werden, wo es besonders häufig zu entsprechenden Verstössen kommt (laut Rückmeldung aus der Facebook-Gruppe „Diskussionen in Voerde“ also bspw. im Bereich zwischen Rahm- und Schwanenstraße). Es ist also nicht notwendig, die komplette Straße auf Kosten der Anwohner (und der Stadt) umzubauen – der Einsatz dieser Technik dürfte um mehrere (!) Größenordnungen günstiger sein.

Daneben sollten allerdings auch der Fahrbahnbelag und die Radwege saniert werden – dazu ist allerdings kein Umbau erforderlich, so dass die Anwohner von (Kosten)Belastungen verschont blieben.

Dort, wo der Hänger stehen wird, verspricht sich die Stadt noch mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Das System verfügt über eine Akkustromversorgung und kann 14 Tage lang rund um die Uhr seinen Laser aussenden und bei Tempovergehen Bilder der Fahrzeuge samt Fahrer liefern.