Stellungnahme zur weiteren Schulentwicklungsplanung im Sekundarbereich (unter Berücksichtigung des am 16. Juli 2014 vorgestellten Gutachtens)

Die FDP in Voerde hat Anfang 2014 ihr Schulkonzept vorgestellt, das kurzgefasst folgende Punkte umfasst:

  • Bildung eines Zweckverbandes mit Dinslaken und Hünxe
  • Gemeinsames, dadurch kostengünstiges Vorhalten aller von den Eltern nachgefragten Schulformen
  • Keine ideologisch motivierte Bevormundung bzw. Einschränkung der elterlichen Wahlfreiheit
  • Langfristig gesicherter Erhalt der jeweils stärksten Schulen: Gesamtschulen in Dinslaken und Hünxe, Gymnasien in Dinslaken und Voerde, Realschulen in Voerde und Dinslaken, Sekundarschule in Dinslaken
  • insbesondere Erhalt der Realschule Voerde mit ihren z.Zt. etwa 8oo Schülerinnen und Schülern.
  • Etablierung schüler- und elternfreundlicher Transportlösungen.

Die FDP bleibt bei ihrem Konzept.

Sie sieht sich darin sogar durch das genannten Gutachten bestärkt.

Rückläufige Schülerzahlen werden nicht nur Voerde, sondern in ähnlichem Maße auch Dinslaken und Hünxe zu entsprechenden Maßnahmen veranlassen. Keine der dort bestehenden Schulen wird davon verschont bleiben. Welche Schulen stärker oder schwächer betroffen sein werden, hängt insbesondere auch von der Qualität des Unterrichts ab. Und die kennt heute noch niemand. Ob die von dem Gutachter vorausgesagten Schülerzahlen für Gymnasium und Realschule Voerde richtig sind, erscheint zweifelhaft, weil sie nicht nachvollziehbar begründet sind.

Letztlich erscheint der Vorschlag, für Voerde erneut eine Gesamtschule einzurichten, aus mehreren Gründen rein ideologisch motiviert zu sein. Unabhängig von den behaupteten Schülerströmungen muss dem schon entgegengehalten werden, dass die 1991 gegen große Widerstände der Elternschaft erst im zweiten Anlauf eröffnete Gesamtschule Voerde nicht zuletzt infolge des größeren Ansehens der Realschule schon nach knapp 20 Jahren wegen mangelnder Schülerzahlen wieder geschlossen werden musste und noch in der Abwicklung ist. Es ist nicht nachvollziehbar und deshalb sehr zweifelhaft, dass sich nach so kurzer Zeit die Ansichten der Eltern so geändert haben sollen, dass eine neue Gesamtschule erfolgreicher sein kann und insbesondere neben den guten Gesamtschulen in Hünxe und Dinslaken eine Chance hat, von der dargestellten guten Qualität der Realschule ganz abgesehen. Die abstimmungsähnlichen Zahlen binden den Stadtrat nicht, geben aber auch kein realistisches Stimmungsbild wieder.

Hinzu kommt, dass die gut funktionierende Gesamtschule Hünxe ohne Kinder aus Voerde bald in ihrer Existenz bedroht sein könnte und dann geschlossen werden müsste. Diese Möglichkeit ist im Gegensatz zu dem Gutachter auch ein Voerder Problem. Schließlich besuchen viele Voerder Kinder die Gesamtschule Hünxe. Deren Schicksal berührt uns also auch. Zudem wird die interkommunale Zusammenarbeit künftig eine noch größere Bedeutung erhalten als heute; denn viele Probleme können nur so gelöst werden.

Die vor knapp 55 Jahren gegründete Realschule Voerde ist allseits und auch überörtlich als ausgezeichnete Schule mit großer Ausstrahlung nach außen sowohl in kultureller wie sportlicher und anderer positiver Hinsicht bekannt. Wiederholte Versuche, diese Schule etwa ab 1972 durch eine Koop-Schule oder später die Gesamtschule (1991) zu ersetzen, scheiterten, nicht zuletzt deshalb, weil die Voerder Eltern hinter ihrer Realschule standen und sich für ihren Fortbestand erfolgreich einsetzten. Das hat sich bis heute nicht geändert, weil diese hervorragende Arbeit leistet.

Dem Gutachter kann darin gefolgt werden, dass eine neue Gesamtschule nur bei Aufgabe der Realschule Erfolg haben könnte. Kann man aber eine ausgezeichnete und in der Bevölkerung anerkannte und beliebte Schule mit der oben genannten Ausstrahlung aufgeben für eine Gesamtschule, von der man nicht weiß, ob sie eines Tages nicht auch so jämmerlich scheitert wie die jetzt noch in Auflösung befindliche?

Dieses Risiko kann kein verantwortungsbewusstes Ratsmitglied tragen. Selbst rein ideologisch ausgerichtete Schulpolitiker dürfen diesen Weg nicht gehen, wenn sie eine zukunftsfähige und erfolgreiche Schullandschaft hier wollen.

Wegen des wohl starken Rückgangs der Schülerzahlen hier und überall kann nur der von uns verlangte Schulzweckverband mit Dinslaken und Hünxe die gemeinsamen Schulprobleme vernünftig lösen und vor allem den Eltern in diesem Gebiet für ihre Kinder die Schulwahlentscheidungen bieten, auf die sie Anspruch haben. Das Elternrecht nämlich ist hier zu beachten. Das Elternrecht beinhaltet auch die Entscheidung für einen Halbtagesunterricht, den nur die Realschule Voerde anbietet. Auf dieses Recht werden viele Eltern aus den verschiedensten Gründen nicht kampflos verzichten

Die Kostenfrage ist keine Nebensächlichkeit. Es kann einfach nicht sein, dass bei dem vorausgesagten Rückgang der Schülerzahlen und der Tatsache, dass Voerde in den letzten Jahren ganz erhebliche Geldmittel für neue Schulräume ausgegeben hat und nun nochmals um die 10 Mio € für die Einrichtung einer neuen Gesamtschule ausgeben soll. Es geht auch ohne diese finanziellen Aufwendungen.

Alles in allem:

Wir können aus den genannten Gründen dem Vorschlag des Gutachters nicht folgen, sondern bleiben bei der von uns vorgeschlagenen Zweckverbandslösung. Nur diese bietet die Chance, die bestehenden Probleme vernünftig und auf längere Dauer ohne Widerstand der Eltern zu lösen, vor allem aber auch auf Entwicklungen zu reagieren, die heute noch niemand kennt. Die Kosten dieser Lösung halten sich bei sachlichen Entscheidungen in überschaubarem Rahmen.